Da ich einige Zeit Besuch hatte, hat sich mein Blog leider etwas verzögert. Entschuldigung! Jetzt hole ich aber Einiges nach. :)

Am Tag 18 erwartete mich ein besonderer Ausflug in das Phnom Tamao Wildlife Rescue Center, etwa eine Stunde von Phnom Penh entfernt.

Das Center ist ein Projekt der sogenannten Wildlife Alliance, die seit 1995 modernste Schutzprogramme für Tiere in Südostasien, Russland, Südamerika und im Westpazifik etabliert hat. Im Jahre 2000 wurde erstmals ein Schutzprogramm in Kambodscha auf die Beine gestellt und 2010 wurde ein Wildlife Rettungsteam als nationale Task Force auf die Beine gestellt.

Die zwei wichtigsten Anlaufstellen in Kambodscha sind heute das Phnom Tamao Wildlife Rescue Center (PTWRC) sowie das Naturschutzgebiet im Kardamomgebirge, im Westen des Landes.

Das Rettungsteam ist das ganze Jahr über im Land unterwegs und reagiert auf Notrufe oder führt verdeckte Ermittlungen durch um illegale Tierhaltungen zu stoppen und Tiere aus schlimmen Haltungen und aus Misshandlungen zu retten.

Weiterhin verstehen sich die Mitglieder des Rettungsteams als eine Art Missionare und reisen durch das Land um schon in Schulen und Kindergärten auf sich und ihr Projekt aufmerksam zu machen. Dabei werden die Kinder über die artgerechte Haltung von Tieren sowie Tierschutzgesetze aufgeklärt.

Hat das Rettungsteam erfolgreich Tiere aus schlechter und/oder illegaler Haltung befreit, werden diese zunächst in das Wildlife Rescue Center gebracht um untersucht zu werden und die Tiere gegebenfalls aufzupeppeln.

In der Regel beherbergt Phnom Tamao etwa 1.2oo Tiere. Kein Tier in Not wird jemals abgewiesen. Über 80% der Tiere werden nach erfolgreicher Behandlung und Versorgung wieder in die Freiheit entlassen. Hierbei kommt das etwa 600.000 Hektar große Schutzgebiet ins Spiel, in welchem die Tiere wieder in die Wildnis eingeführt werden.

Die lokale Bevölkerung in den Bergen wird durch Öko-Tourismus in die Tierrettung einbezogen um auch hier Aufklärung zu schaffen, die Rodung des Waldes und die Jagd auf gefährdetete Tierarten zu vermeiden. Durch den Öko-Tourismus (z.B. Einsatz als Ranger zum Schutz der Tiere, Reiseleitung durch die Berge, Leitung von Homestays im Park, etc.) erhalten die Einheimischen eine Möglichkeit Geld zu verdienen und lernen den Wert der Tiere und den Wert des Tourismus in Kambodscha kennen und schätzen.

Auf einer Tour „Hinter den Kulissen“ im Phnom Tamao Wildlife Rescue Center, kommt man den Tieren und ihren Geschichten hautnah und unterstützt mit dem Eintritt die Versorgung und Behandlung der hier lebenden Tiere.

Die Tour beginnt mit der Abholung in Phnom Penh und der Fahrt in das Center. Unterwegs halten wir an einem lokalen Markt, um kleine Leckereien für die Elefanten einzukaufen.

Markt auf dem Weg zum Phnom Tamao Wildlife Center

Im Center angekommen bemerkt man zunächst Dutzende von Plattformen mit Hängematten und kleine Essensstände. Auf Nachfrage erfährt man einiges, was mir an diesem Besuch nicht so sehr gefallen hat.

Die Kambodschaner haben noch immer keine wirklich Lese-Kultur. In der kambodschanischen Sprache (Khmer) gibt es keine richtige Übersetzung für „Rescue Center“. Das Wort, dass die Einheimischen für das Center nutzen bedeutet wörtlich übersetzt ‚Zoo‘. Die Kambodschaner verstehen nicht wirklich, was die Mitarbeiter hier versuchen zu leisten. An Wochenenden und gesetzlichen Feiertagen strömen tausende von Besuchern in das Center um einen Familientag im ‚Zoo‘ zu genießen.

Da das Rescue Center hauptsächlich der Regierung gehört und von dieser finanziert wird, muss für jede kleinste Änderung eine Genehmigung eingeholt werden. Für jedes noch so kleine Schild zur Aufklärung muss in einem mühsamen bürokratischen Prozess eine Genehmigung eingeholt werden. Sieht die Regierung keinen Profit, bleibt die Genehmigung meist aus.

Die Mitarbeiter versuchen, dass Beste aus der Situation zu machen. Den Tieren so gut wie möglich zu helfen und die meisten Tiere so schnell wie möglich wieder auszuwildern. Ein bitterer Beigeschmack von der Vorstellung tausender Besucher und teils zu kleiner Gehege an den Besucherwegen bleibt aber bestehen.

An den vollen Tagen bietet das Team auch keine Touren an.

Als erstes kommen wir mit einigen Elefanten in Kontakt. Die hier lebenden Elefanten haben schlimme Erfahrungen mit Menschen und Fallen gemacht.

Die Geschichte eines männlichen Elefanten hat uns besonders berührt. Er war ein wilder Elefant und sein Lebensraum wurde durch die Rodung von Wäldern und den Anbau von Plantagen immer kleiner. Eines Tages wurde er von Menschen entdeckt, die ihn mit einigen Leckereien fütterten. Der Elefant war dem nicht abgeneigt und kam gern immer wieder, um sich von den Menschen verwöhnen zu lassen. Anfangs taten die Einheimischen das noch gern, aber aufgrund mangelnder Erfahrung und Bildung war ihnen nicht klar, dass ein Elefant 300-500 Kilogramm am Tag verspeisen kann. Ein Eimer mit Früchten reicht für die grauen Riesen nicht aus. Als der Elefant sich schließlich an den Plantagen der Einwohner bediente wurden diese sehr zornig und versuchten ihn mit allen Mitteln zu vertreiben. Sie bewarfen ihn mit großen Steinen, stellten Fallen, schossen auf ihn und verwendeten schließlich Dynamit.

Der arme Elefant wurde schwer verletzt und verlor bei dem Angriff einen Fuß. Erst jetzt bemerkten die Einheimischen, dass sie das Problem nicht allein lösen können und wendeten sich an das Wildlife Rettungsteam.

Heute lebt der Elefant mit einem künstlichen Fuß im Phnom Tamao Wildlife Rescue Center. Er hat neben der physischen Verletzung auch schlimme psychische Narben und traut Menschen nicht mehr über den Weg. Er ist aggresiv und hat auch bereits einige Male versucht, seine Pfleger zu verletzen. Die Prozedur der Wundenreinigung und des Prothesenwechsels lässt er über sich ergehen. Vermutlich weil er die Notwendigkeit erkannt hat.

Drei weitere, hier lebende Elefanten sind friedlicher. Sie kommen aus ähnlichen Situationen. Ein weibliches Tier ist besondern sanft und feinfühlig. Mit ihr durften wir spazieren gehen und ihr ein paar Leckerchen geben.

Mit Spaziergängen und Beschäftigungstherapien werden die grauen, sanften Tiere bei Laune gehalten. Oft dürfen sie auch zusammenkommen um das Gefühl der Herde zu bewahren. Beschäftigungstherapien drehen sich meist um Futter. Dieses kann zum Beispiel eingefroren, im Gehege versteckt oder so angebracht werden, dass es etwas Arbeit erfordert um heranzukommen.

Diese Trommel zum Beispiel muss mehrmals gedreht werden, damit das Futter aus den Löchern fällt:

Neben Elefanten leben im Park auch viele Makaken, kleine Sonnen- und Mondbären, Nebelparder, Tiger, Geparden und etliche Vögel.

Die niedlichen Otter hatten es mir besonders angetan. Nachdem wir die Tiger, Bären und Geparden hinter den Kulissen bestaunen durften, haben wir nach einem sehr leckeren Picknick-Mittagessen den Kindergarten des Centers besucht. Hier kommen die jungen Tiere her, die aus schlimmen Haltungen oder verletzt geborgen wurden.

Hier trafen wir auf kleine Otter, die an einem kleinen Spiel Spaß hatten. Gab man ihnen einen Stein ins Gehege spielten sie damit und „warfen“ ihn wieder zu uns hinaus, damit wir von vorn beginnen. ❤

Zu Guter letzt durften wir noch die jugendliche Affenhorde im Center füttern. Hierzu setzten wir uns alle in eine Reihe und hielten unsere Hände mit den flachen Handflächen nach oben. Der Wärter (Oberaffe, wie er sich selbst nannte ;-) ) legte uns Früchte in die Handflächen und dann ging der Wahnsinn auch schon los. Die Makaken fressen die Früchte nicht gleich, sondern stopfen so viele wie möglich in ihre Backentaschen – wie Hamster.

Da unter den Affen eine sehr strenge Hierarchie herrscht, sollten wir keinesfalls versuchen einem bestimmten Affen Futter zu geben oder einen vom Fressen abzuhalten. Weiterhin sollte man nicht mit den Zähnen lächeln und/oder den Tieren in die Augen sehen. Dies wird als Aufforderung zum Kamp betrachtet. Der Hüter der Affen durfte unterdessen, seinem Namen „Oberaffe“ getreu, alles mit den Tieren machen. Da er die meisten von Hand aufgezogen hatte war er der unangefochtene Anführer der Gruppe.

Der schöne Ausflug endete mit einem letzten „Bye Bye“ an die Elefanten und der Rückfahrt nach Phnom Penh am Nachmittag.

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